Gesundheits-Coaching mit dem Pferd

Bettina holt sich Ihre Stimme zurück

Bettina ist eine sportliche und attraktive junge Frau. Nach ihrem Abitur absolviert sie eine anspruchsvolle Berufsausbildung zur Logopädin. In diesem Beruf, den sie seitdem mit großer Freude ausübt, ist ihre Stimme von ausschlaggebender Bedeutung. Ihre eigene Stimme ist das wesentliche Instrument, mit dem sie anderen Menschen bei der Überwindung sprachlicher Probleme zur Seite steht. Doch Bettina hat ein Problem. Sie kann auf die volle Kraft ihrer Stimme nicht mehr vertrauen. Immer häufiger wird diese rauh, kratzig oder versagt, und das alles ist zudem mit Halsschmerzen verbunden. Verschiedene Spezialisten erkennen ein Nachlassen ihrer Stimm- und Sprechleistungen. Auch eine darauf folgende Rehabilitationsmaßnahme bringt keine Besserung. Diese physische und psychische Belastung beeinflusst zunehmend auch ihren privaten Alltag. Sie zieht sich immer öfter aus ihrem Freundeskreis zurück und spielt mit dem Gedanken, ihren Beruf zu wechseln. Da ihr Arbeitgeber von ihr als Logopädin als auch von ihrer Persönlichkeit uneingeschränkt überzeugt ist und sie als Teammitglied nicht verlieren möchte, schlägt er ihr vor, ein Coaching zu besuchen. Ein Angebot, das Bettina annimmt.

Bettina, die „High Performerin“

In der ersten Sitzung wird noch ohne Pferd gearbeitet. Es geht vorerst darum, das Problem im Detail zu erfassen und ein erstes Ziel zu formulieren. Bettina möchte zunächst den Umgang mit ihren beruflichen Anforderungen und den damit einhergehenden Druck betrachten. Am Ende der ersten Sitzung ist klar, dass Bettina eine sogenannte ‚High Performerin‘ ist, die - belegt durch ihren Arbeitgeber und ihre Patienten - zwar beruflich herausragend gute Leistungen erbringt, sich selber aber gänzlich anders wahrnimmt. Bettina ist in erster Linie auf ihre vermeintlichen Fehler konzentriert und kann nicht ‚abschalten‘. Dieses ‚negative‘ Denken und ihr unablässiges Grübeln über die beruflichen Anforderungen verfolgen sie bis hinein in ihr abendliches Einschlafen. Die ersten Gedanken eines neuen Tages sind auch wieder auf die beruflichen Anforderungen gerichtet. Sie fühlt sich kaum imstande, diesem beruflichen Druck erfolgreich zu begegnen. Bettina erkennt, dass sie eine Art inneren Antreiber beherbergt, der ihr unablässig „Sei perfekt!“ zuschreit und sie nötigt, ihre eigene Messlatte so hoch zu legen, dass sich das Gefühl, „… ich habe eine exzellente Leistung erbracht …“ bei ihr nicht einstellen kann.

Ein Co-Coach mit starkem Willen

An ihrem zweiten Termin absolviert Bettina ein pferdegestütztes Coaching. Auf der ausgewählten Reitanlage leben die Pferde artgerecht und verbringen ihre Tage in Gruppen auf den Weiden. Für das pferdegestützte Coaching wird die elfjährige Connemara-Stute Moonlight ausgewählt, die ausgesprochen ruhig, zuverlässig und ausgeglichen, aber durch ihren ausgeprägt starken Willen gelegentlich auch herausfordernd sein kann. Als Ziel für das pferdegestützte Coaching nimmt sich Bettina vor, zu erlernen mit ihren erbrachten Leistungen zufrieden sein zu können.    Zunächst hat Bettina einige Zeit, sich mit Ihrem Pferd bekannt zu machen. Dann bekommt sie die Aufgabe, mit verschieden Hindernissen (Pylonen, Markiertellern, Seilen, Planen, Reifen, Zielfahnen, etc.) einen Parcours nach ihrer eigenen Vorstellung aufzubauen und diesen dann gemeinsam mit dem Pferd abzugehen. Ein Coaching-Assistent, der ebenfalls anwesend ist, bekommt die für Bettina nicht erkennbare Aufgabe, während ihres Abgehens in den Parcours hineinzulaufen und dessen Ablauf zu stören. Der gesamte Vorgang wird von einer Video-Kamera aufgenommen. Bettina nimmt zum Aufstellen ihres Parcours alles in Anspruch, was ihr zur Verfügung steht. Auf der gesamten Hallenfläche von 20 m x 60 m erstellt sie einen anspruchsvollen Parcours. Er beginnt mit einem Startpunkt, führt über einen Slalom, Hindernisse mit Stangen und Pylonen, eine mit blauer Plane vorgetäuschte Wasserfläche, enge Gassen bis hin zu einem mit einer Zielfahne markierten Ziel. Bettina nimmt sich ungewöhnlich viel Zeit für den Aufbau ihres Parcours. Sie geht akribisch, überlegt und gewissenhaft vor. Immer wieder bleibt sie stehen, betrachtet ihren Parcours und überlegt, ob er bereits ihren Vorstellungen und Maßgaben entspricht. Als Bettina mit ihrem Pony, das sie an einem Strick führt, den Parcours begehen will, zögert das Pferd kurz, geht dann aber bereitwillig über alle Hindernisse mit. Sie lassen sich auch nicht von dem querlaufenden ‚Störer‘ beeinflussen. Nur an der blauen Plane gibt es kein Weiterkommen. Moonlight verweigert und Bettina muss das Pferd schließlich um die Plane herumführen.

Bettina ändert den Fokus

Nachdem Bettina mit dem Pferd den Gang durch den Parcours abgeschlossen hat, wird der gesamte Ablauf reflektiert. Sie erkennt nur diejenigen Aspekte, die nach ihrem eigenen Dafürhalten nicht besonders gut gelaufen sind: Das Pony will ihr nicht auf Anhieb folgen und den Gang über die blaue Plane glückt auch nicht. Sie äußert, dass sie sich durch die filmende Kamera und den störenden Assistenten nur einen kurzen Augenblick beobachtet und verunsichert fühlte. Bettina ist mit ihrer Parcours-„Leistung“ weitgehend unzufrieden. Positive Aspekte vermag sie nicht zu erkennen. Auf die Reflektion des Parcours folgt die Videoanalyse. Erst jetzt wird Bettina deutlich, dass das Pferd nach seinem ersten kurzen Zögern beim Start in den Parcours ruhig und konzentriert ihren Gang über die Hindernisse - die blaue Plane mal außer Acht gelassen -begleitet. Jetzt sieht sie ihre Erfolge und Stärken: Ihre hohe Konzentrationsfähigkeit, ihr zielorientiertes Arbeiten, ihre freundliche Durchsetzungsstärke, ihren Mut, einen neuen Weg zu gehen, ihren Fleiß und ihre Fähigkeit, sich durch unerwartete Ereignisse nicht aus der Ruhe bringen zu lassen. Sie hält für sich fest, dass sie von nun an ihre Wahrnehmung ändern will: Vor allem ihre Erfolge sollen in Zukunft ihre Aufmerksamkeit bekommen.

Änderungen im Alltag

In einer weiteren Coaching-Sitzung, die ohne Pferd stattfindet, wird einige Wochen später Bettinas beruflicher Alltag detailliert unter die Lupe genommen. Bettinas Arbeitstage sind zeitlich nur schlecht planbar, da sie nicht voraussehen kann, mit welchen Problemen und Fragen ihre Klienten zu ihr kommen werden. Die fehlende Möglichkeit, sich eingehend vorbereiten zu können, macht ihr immer wieder zu schaffen. Ihr Lösungsansatz ist, dass sie ihren Klienten für die jeweils nächste Sitzung eine Hausaufgabe mitgibt. Damit erreicht sie, dass sie das nächste Treffen besser vorbereiten kann. In dieser Coaching-Sitzung wird zudem das Thema „Ruhe und Ausgeglichenheit im privaten Alltag“ erörtert. Bettina ist bestrebt, ihre Hobbies - Kochen, Wandern, Meditation, Yoga und eine abendliche Reflektion („Was ist mir heute gelungen?“) - stärker zur Geltung kommen zu lassen. Alle ihre selbst gestellten Hausaufgaben sortiert Bettina in variable zeitliche Fenster ein. Mit diesen flexiblen Zeitfenstern kann sie vermeiden, sich wieder selber und ohne Not unter Zeit- und Erfolgsdruck zu setzen.

Rückmeldungen

Nach etwa drei Monaten berichtet Bettinas Arbeitgeber von positiven Veränderungen. Die Coaching-Erfolge liegen auf der Hand und sind allesamt umwerfend positiv! Bettina hat sich enorm entwickelt und ist in vieler Hinsicht nicht wiederzuerkennen. In fachlichen Gesprächen hat sie eine überzeugende argumentative Sicherheit entwickelt, ihr Äußeres hat aufgrund ihrer inneren Stabilität gewonnen und die von ihr selbst gewählte Reduzierung der Arbeitszeit hat sich auf ihre gesamte berufliche Leistungsbilanz kaum ausgewirkt. Man hofft, dass Bettina ihrem Team als geschätzte Mitarbeiterin weiterhin erhalten bleibt! Auch die Rückmeldung von Bettina an mich als ihren Coach ist erfreulich: Der in Erwägung gezogene Jobwechsel ist ein für alle Mal vom Tisch. Bettina wird weiter als Logopädin arbeiten, denn ihre Stimme hat sich deutlich verbessert. Die andauernde muskuläre Anspannung in ihrem Hals, den ihre ständige innere Unsicherheit zuvor auslöste, ist verschwunden. Es geht ihr heute beruflich wie privat viel besser. Und wenn sie gelegentlich in ihre alten Muster zurückzufällt, registriert sie das sofort und korrigiert sich erfolgreich.

Mein Fazit

Aus einer einfachen Parcours-Übung mit dem Pferd hat Bettina dank Ihrer Bereitschaft zu Selbstreflektion und Ehrlichkeit Einblicke gewonnen, wie sie auf berufliche Aufgabenstellungen wie private Situationen reagieren kann und daraus ihre Konsequenzen gezogen. Ihre eigene und die Rückmeldung ihres Arbeitsgebers zeigen mir als Coach, wie nachhaltig ein pferdegestütztes Coaching ist und welches Veränderungspotential es in sich birgt. Mich persönlich hat zum Nachdenken gebracht und erstaunt, wie unglaublich festgefahren Menschen in ihren Denk-, Gefühls- und Verhaltensmustern sein können.  

 

Tipp für den Leser*in

Es ist kein Fehler - auch nicht als junger Mensch - sich an einen Coach zu wenden, um mit seiner professionellen Unterstützung Fragestellungen zu erörtern und zu sortieren. Es eröffnet sich damit die Möglichkeit, das eigene Leben erfolgreich in die richtigen Bahnen zu lenken.

Wie kann ich Ihnen helfen?


Dr. Kathrin Färber

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